Weitgereist?

...einige Gedanken rund um das Thema Reisen

Reist Du weit, bist Du wer? – Warum Du nicht alle Länder diese Erde bereisen musst, um wirklich gereist zu sein…

Ich gebe es gleich zu: Ich liebe Reisen, egal ob in die Bretagne, in eine neue Stadt oder ein fernes Land – es gibt einfach nichts Schöneres für mich.

Dennoch habe ich mir in der letzten Zeit viele Gedanken gemacht, zum Thema Nachhaltigkeit und so weiter – wird ja auch viel diskutiert im Moment.

So begann ich mir die Frage zu stellen, ab wann ich denn eigentlich wirklich gereist bin… und vor allem, wann dann das Reisen ein Ende hat? Nach 50 Reisen? Nach 100? Nachdem ich alle Hauptstädte abgeklappert habe oder alle Instagram Hotspots besucht habe? Nach dem Besuch aller Kontinente?

 

Was bedeutet Reisen eigentlich?

Ich finde Reisen ist mehr, als der Besuch einer neuen Stadt oder eines fremden Landes und in diesem Fall schreibe  ich bewusst Besuch – nein, Reisen ist ein Sicheinlassen auf Neues, ein Die-Welt-mit-anderen-Augen sehen… es kann auch ein Wachsen sein, ein Wachsen-über-sich-selbst-hinaus.

Wer nur reist, ohne zu sehen, ist nie wirklich gereist. Aber wer mit Zeit reist, wird viel zu erzählen haben und seien es auch manchmal nur Kleinigkeiten …

So wie bei mir zum Beispiel in Lissabon – eine Stadt, die mich einfach umgehauen hat und die unbedingt noch einmal (mindestens!) besuchen muss… – Lissabon sind ganz viele kleine, bezaubernde Geschichten und Begegnungen, aber dazu ein anderes Mal.

 

Aber der Freund der Freundin meines Cousins war doch auch schon dort…

Schaut mal, ich war auch da, ja, genau da – in genau der Pose mit vielen tausend anderen ( es hat halt eine ganze Weile gedauert, bis ich an die Reihe gekommen bin, um mein Selfie zu machen, und wirklich gesehen habe ich nicht, naja gefühlt schon gar nicht )… – ist es das wirklich, was Du brauchst.

Wenn Du mit diesem Hintergrund Deine nächste Reise buchtst, wirtst Du nicht viel zu erzählen haben, wenn Du zurückkehrst. Klar, Du wirst den einen oder anderen Follower mehr haben, der noch nicht da war, wo Du warst, aber was bleibt für Dich selbst bei diesem Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten?

Wie oft aten schon die Reisevorbereitungen in künstlichen Streß aus – das hat dann mit Vorfreude oft nichts mehr zu tun.

Wieviele Bilder hast Du schon vorab von Deinem Reiseziel im Internet angeschaut, so dass Du eigentlich genau weißt, was Dich erwartet – den Rest erledigt dann Dein Smartphone an Ort und Stelle, wenn Du angekommen bist.

Wo bleibt da die Neugier auf alles Neue, was Dich erwartet, wo bleibt die Spannung und Abenteuerlust?

Ich verzichte bei meinen Städtetouten auf eine Navigation – lieber laufe ich dreimal im Kreis, und ja: ich entdecke jedes Mal etwas Neues… und freue mich darüber!

 

Was bedeutet Reisen eigentlich für Dich?

Für mich bedeutet es ein gewisses Maß an Freiheit, es bedeutet sich auf Neues einzulassen, Unbekanntes zu entdecken und da ist es ziemlich egal, wo ich das tue.

Es kann in meiner Heimatstadt sein, oder auf einer Wanderung in Deutschland vielleicht sogar ganz in der Nähe, oder eben am Meer in der Bretagne.

Auch wenn es immer noch mein ausgesprochener Traum ist, einmal nach Tibet und Nepal zu reisen. Da war ich aber noch nicht, denn eigentlich war ich bisher nur in Europa und dennoch bin ich gereist, oder etwa nicht?

Ich habe Neues entdeckt und andere Sichtweisen gewonnen, mir hat es da gefallen, wo ich war und ich will da unbedingt noch einmal hin – oder eher nicht so.

Aber ich habe immer jede Menge zu erzählen…

Manche Orte, an denen ich war, tauchen erst gar nicht bei Instagram auf, weil sie nicht in sind, andere sind im Moment überlaufen und werden später vergessen, wenn sie jeder auf seinem Account gezeigt hat in immer der gleichen Pose…

Nein, Reisen ist mehr als ein Ich-bin-dort-gewesen-und-kann-mitreden, Reisen bedeutet, neue Erfahrungen zu sammeln. Da reicht manchmal schon eine Brücke im Hunsrück, um seine Höhenangst zu überwinden.

Ganz egal also, ob Du tatsächlich in Indien oder Thailand warst oder nur in die nähere Umgebung „reist“, wichtig ist das, was Du letztendlich daraus machst.

Es kommt darauf an, wie offen Du für die Welt bist und mit welchen Augen Du sie siehst.

Dazu musst Du nicht die Länder zählen.

Sei achtsam: Höre den Geschichten der Menschen zu und halte Augen und Ohren offen. Sammele Erlebnisse und mache aus jedem Tag ein Abenteuer.

 

 

Reise nachhaltig…

Ich denke, wir müssen, was das Reisen betrifft, grundsätzlich umdenken. Wir beklagen uns über die Schnelllebigkeit der Zeit, aber sind nicht wir selbst es, die durch das Leben hasten, beim Reisen eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abhaken?

Haben wir dann die Zeit, ein Gefühl für den Ort zu entwickeln, an dem wir gerade sind?Nein, ich glaube, wir müssen langsamer in unseren eigenen Handlungen werden und wenn wir unterwegs sind, uns auf das, was wir sehen einlassen. Erst dann nehmen wir Gefühle und Ruhe mit nach Hause.

Ein erster Schritt dazu, ist auch der Verzicht auf das Flugzeug, wenn es möglich ist. Ich nehme lieber den Zug, schaue aus dem Fenster und genieße meine Reise. Das ist unwahrscheinlich entschleunigend, finde ich. Klar, es dauert länger und die Zeit am Reiseziel ist vielleicht dadurch etwas verkürzt, aber es ist ein Ankommen auf eine ganz andere Art. Probiert es einfach mal aus.

Bei meinen Städtetouren erlaufe ich alles, was möglich ist. Dann sehe ich einfach besser und bekomme ein intensiveres Gefühl für das Treiben und das Leben in der jeweiligen Stadt – und ich komme ins Gespräch mit den Menschen… Ich haste auch nicht von einem Ort zum nächsten, sondern ich nehme mir viel Zeit, denn verpassen kann man beim Reisen doch eigentlich nichts, wenn man darauf verzichtet, den Vorgaben anderer hinterherzurennen.

Ich verzichte darauf, mich an langen Schlangen anzustellen, um das Highlight eines Reiseführers abzuarbeiten, sondern tauche lieber in die stilleren Gassen ein. Dort lerne ich wirklich etwas über die Orte, an denen ich gerade bin.

 

Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.

 Marcel Proust

 

Es ist also egal, wohin Du letztendlich gereist bist – ich denke, Du kannst in alle Länder reisen, ohne jemals wirklich gereist zu sein, wenn Du es falsch anstellst, – es ist egal, ob Du einen Sonnenaufgang am Meer erlebt hast oder einen Sonnenuntergang bei Dir zuhause gerade um die Ecke.

Wichtig ist, Neues zu suchen, zu entdecken und mit zurückzunehmen und ebenso wichtig ist es, bei sich selbst anzukommen und mit und an dem, was man erlebt und erfahren hat, zu wachsen, denn eine Reise ist immer eine Reise durch das eigene Leben.

Wie sieht das bei Dir aus? Reist Du, um Länder zu sammeln oder um anzukommen? Ich würde mich freuen, wenn Du mir ein wenig davon erzählst.

 

Es grüßt Dich ganz herzlich

Gudrun

 

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